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Verschönerungs-Verein Schwalbach am Taunus e.V.

Die Historie von Schwalbach (Auszüge aus der Broschüre: “Schwalbach erleben”.)

Dieter Farnung

Herr Farnung ist Stadtarchivar. Sein Artikel veranschaulicht, wie die Zeitereignisse in einem kleinen Dorf, wie es Schwalbach war, noch heute sichtbare Spuren hinterlassen haben.

1225 Jahre sind nun vergangen, seit Schwalbach am Taunus zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde. Eine Urkunde aus dem Lorscher Codex berichtet von der Schenkung eines Ritters Starcfrit und seiner Mutter Mechthild an das Kloster Lorsch im Jahre 781. Die Übersetzung lautet:

»In Christi Nomen, am 23. Oktober im 14. Jahr (781) des Königs Karl. Wir, Starcfrit und meine Mutter Mechthilt, machen eine Vergabung an den heiligen Märtyrer N(azarius), dessen Leib in dem vom ehrwürdigen Abt Helmerich verwalteten Lorscher Kloster ruht. Nach unserem Willen soll die Schenkung für alle Zeiten in Kraft bleiben, und wir versichern, dass sFe vollkommen freiwillig gemacht wurde. Wir schenken in pago Nitachgowe (im Niddagau), im Dorf Sualbach siebzig Joch Ackerland, eine Wiese und zwei Hofreiten. Geschlossen und gefertigt Geschehen im Lorscher Kloster zur oben angesetzten Zeit.«

Die „Geburtsurkunde" aus dem Jahre 781 sagt natürlich nichts aus über die tatsächliche „Geburtsstunde" Schwalbachs. Wir wissen darüber nur, dass sich hier, wie an vielen Orten des Vortaunus, schon in der Jungsteinzeit Menschen niedergelassen hatten. Südwesthanglage, reichlich Wasser sowie Ton und Lehm boten dafür nahezu ideale Voraussetzungen. Für Schwalbach belegen dies zahlreiche Funde, entdeckt beim Bau der Wohnstadt Limes im Jahr 1963. Darunter befindet sich eine Butte, ein jungsteinzeitliches Vorratsgefäß, das nach vorsichtigen Schätzungen von Wissenschaftlern der Universität Frankfurt am Main ungefähr 7.000 Jahre alt ist.

Auch die Römer waren hier. Dies zeigen der beim Pflügen im Jahr 1839 entdeckte Viergötterstein (siehe Seite 23) und der Fund römischer Ziegel 1983. Das lässt darauf schließen, dass hier ein römischer Gutshof (eine „villa rustica") gestanden haben muss.

Auch Franken müssen - zumindest zeitweise - hier gelebt haben. Beim Bau eines Hauses im Gärtnerweg fand man in einem Grab eine „Franziska", eine bei den Franken gebräuchliche Streitaxt. Danach bleibt die Geschichte Schwalbachs für Jahrhunderte im Dunkeln - von der ersten Erwähnung im Jahr 781 und weiteren acht Schenkungsurkunden aus den Jahren 782 bis 789 einmal abgesehen. Erst aus dem Jahr 1237 stammt der früheste Beleg für einen Träger des Namens „von Schwalbach": ein Hartmut von Schwalbach trat zusammen mit einem Hartmut von Sulzbach für Ulrich von Münzenberg als Zeuge auf. Bis ins 16. Jahrhundert stehen uns nur solche einzelnen Zeugnisse zur Verfügung. Fasst man sie zusammen, so lässt sich Folgendes feststellen: Schwalbach am Taunus war ein kleines Dorf von bäuerlichem Charakter, immer in Abhängigkeit von fremder Herrschaft (Königstein, Münzenberg, Falkenstein, Eppstein) und es wurde seit dem Ende des 13. Jahrhunderts von einem Vogt verwaltet, der seinen Sitz wohl in der Burg Schwalbach (s. Bild Seite 21 „Die Burg vor dem Abriss") hatte.

Veränderungen von außen, die auch für die Einwohner Schwalbachs spürbar waren, gab es - soweit wir wissen - im 16. Jahrhundert. Nach dem Aussterben der Eppsteiner im Jahre 1535 übernahmen die Stoiberger die Herrschaft. Graf Ludwig zu Stolberg bekannte sich nach einjährigem Studium bei Luther und Melanchthon in Wittenberg zum protestantischen Glauben und begann 1540 mit der Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse. Ab 1545 war dies weitgehend abgeschlossen. In fast allen Kirchengemeinden der Grafschaft fand der Gottesdienst nach der neuen Ordnung statt.

Nach dem Tode Graf Ludwigs im Jahre 1574 - er starb kinderlos - trat sein Bruder Christoph die Nachfolge an. Da auch Kurmainz Anspruch auf das Gebiet erhob, kam es zum Rechtsstreit, der erst nach 1581 gewaltsam beendet wurde. Kurmainzer Truppen belagerten die Burg Königstein und zwangen Graf Albrecht-Georg, der für den inzwischen verstorbenen Grafen Christoph die Herrschaft übernommen hatte, zur Aufgabe. Immerhin konnte er erreichen, dass die evangelischen Gemeinden bestehen blieben.

Unter Kurfürst Adam von Bicken wendete sich das Blatt. Er war Jesuitenschüler und bestrebt, im gesamten Kurmainzer Gebiet den katholischen Glauben wieder einzuführen (Gegenreformation). Im August 1604 musste die Schwalbacher Bevölkerung aus dem Munde eines Dr. Gereon zur Kenntnis nehmen, dass Erzbischof Johann Schweikardt so sehr um das Seelenheil seiner Untertanen besorgt sei, dass sie nunmehr wieder zum wahren Glauben zurückzukehren hätten. Der Besuch der Messe und die Bereitschaft zum Empfang der heiligen Kommunion galten als Beweis der Umkehr. Der

Besuch des evangelischen Gottesdienstes außerhalb Schwalbachs wurde manchmal mit „Auslaufstrafen" belegt, hartnäckigen Anhängern des evangelischen Glaubens wurde die Auswanderung empfohlen.

Detaillierte Kenntnisse der Situation Schwalbachs im Jahre 1668 verdanken wir Theodor Niederquell, der das Jurisdiktionalbuch der kurmain-zischen Ämter Königstein und Eppstein gründlich ausgewertet hat. Danach zählte Schwalbach damals 174 Einwohner - Kleinkinder nicht mitgezählt -in 48 Wohnhäusern. Alle kurfürstlichen Untertanen, außer Schultheiß und Pfarrer, unterlagen der Leibeigenschaft. Der Schultheiß erledigte alle administrativen Aufgaben einschließlich der Rechtsprechung auf unterer Ebene. Seine Dienstwohnung war - wie bereits erwähnt - die Burg Schwalbach.

Die 174 Einwohner teilten sich wie folgt auf: Es gab 36 Männer und 41 Frauen, dazu kamen 49 Söhne und 48 Töchter. Die kurfürstlichen Untertanen waren in zwei Gruppen eingeteilt: Zum einen die größere Gruppe der Vollbürger, auch Nachbarn oder Einwohner genannt. Sie besaßen Hofreiten, also Wohnhäuser sowie Stallungen und Scheunen und die dazu gehörenden Küchengärten. Sie durften Wald, Weide und Wasser nutzen, mussten aber auch die Hauptlast der Steuern und Abgaben tragen und wurden zu Schöffen des örtlichen Gerichts bestellt. Zum anderen eine kleinere Gruppe nicht vollberechtigter Bürger, sie wurden auch Beisassen oder Beiwohner genannt. Sie besaßen bestenfalls ein kleines Häuschen mit Garten oder wohnten zur Miete. Ihren Lebensunterhalt erwarben sie im Dienst bei reicheren Bauern oder als Tagelöhner.

Aus dem 18. Jahrhundert ist für 1792 der Bau einer neuen Schule erwähnenswert (siehe Seite 36 „Das Schulhaus von 1792"). Kein geringerer als der seit 1778 in kurmainzischen Diensten stehende Architekt Emanuel Joseph von Herigoyen nahm sich der Schwalbacher Schulmisere an. In bewegten Worten schilderte von Herigoyen, der zu den bedeutendsten Baumeistern seiner Zeit im süddeutschen Raum zählte, in einem Brief an die kurfürstliche Landesregierung die Zustände an der Schwalbacher Schule. Aus diesem Brief vom 25. April 1792 erfahren wir, dass der Unterricht im „Thorgebäude ... an der Chaußee nach Frankfurt" stattfand. Wegen zu großer Enge und des für Schulkinder eigentlich zu steilen Treppenaufgangs sei dort kein Unterricht mehr möglich. Eile sei geboten. Von Herigoyen empfahl die Umsetzung des Thorhauses oder einen Schulneubau auf einem Platz in der Nähe der Kirche. Bemerkenswert ist die Kürze der Bauzeit: Bereits im Sommer 1792 war das neue Schulhaus errichtet.

Spürbare Veränderungen im Leben der Schwalbacher Bevölkerung brachte die Gründung des neuen Herzogtums Nassau im Jahr 1806. Es bescherte allen seinen Bürgern - also auch den Schwalbachern - nicht nur die Aufhebung der Leibeigenschaft, sondern auch eine insgesamt liberale Politik, die das Schulwesen mit einschloss. Das Schulgesetz aus dem Jahr 1817 sah die Einrichtung von Elementarschulen vor, die „jedem Menschen, ohne Unterschied des Geschlechts, der Religion, des Standes, ... nothwendige allgemeine Bildung" sicherstellen sollten. Hier wurde zum ersten Mal in der deutschen Schulgeschichte die Simultanschule verwirklicht, also der Unterricht von Kindern verschiedener Bekenntnisse in einer gemeinsamen Schule.

In den Jahren von 1815 bis 1835 war die Bevölkerung Schwalbachs von 504 auf 622 angestiegen. Auch die Zahl der Kinder wuchs von 255 auf 322. So kann es kaum verwundern, dass 1835 schon wieder ein neues, größeres „Schullokal" gebaut und 1896/97 erweitert wurde (siehe Seite 38 „Die Schule von 1835").

Trotz des stetigen Bevölkerungszuwachses (1885: 924, nach dem ersten Weltkrieg: 1.500, nach dem zweiten: 2.220) wäre Schwalbach wohl noch heute ein Dorf, wenn nicht zwei Ereignisse hinzugekommen wären:

Erstens, der einer Völkerwanderung gleichende Zuzug von Heimatvertriebenen, insbesondere aus Schlesien und dem Sudetenland, die einen zunehmenden Wohnungsbedarf auslösten und zweitens der Entschluss der Gemeindevertretung und des Gemeindevorstands, Schwalbach nicht un-koordiniert wachsen zu lassen, sondern dem alten Wohnort eine ganze Wohnstadt anzugliedern, die auch Wohnungssuchende aus der weiteren Umgebung von Schwalbach aufnehmen sollte. Darüber aber wird in einem gesonderten Beitrag berichtet (siehe Seite 12 „ Vom Dorf zur Stadt").

 

 

Vom Dorf zur Stadt

Hugo Lietzow

Hugo Lietzow, Schwalbacher Bürgermeister von 1958 bis 1976, schildert, wie ein Hessisches Dorf nach dem letzten Krieg Heimatvertriebenen eine neue Wohnstätte gab und sich schließlich zur Stadt entwickelte.

Bereits im Jahre 1885 lebten in Schwalbach 900 Einwohner. Am Ende des 1. Weltkrieges hatte sich die Einwohnerzahl auf 1.500 erhöht. An der schnellen Zunahme der Bevölkerung ist zu erkennen, dass die Gemeinde bereits zu den bevorzugten Wohnorten im Vortaunus gehörte. Um den Wohnungssuchenden gerecht zu werden, wurde 1920 in Schwalbach ein Bau- und Siedlungsverein gegründet, der mit Hilfe öffentlicher Mittel bereits 1924 die ersten Wohnhäuser in der Gartenstraße fertig gestellt hatte. Diese bauliche Entwicklung setzte sich unter Mithilfe der Nassauischen Heimstätte bei der Finanzierung fort, so dass 1927 weitere Wohnhäuser fertig gestellt werden konnten. Da die Gemeinde keine großen Eigenmittel besaß, wurde 1931 ein Darlehen zur Erneuerung der Ortsstraßen aufgenommen und die Arbeiten im selben Jahr ausgeführt.

Nach dem Zusammenbruch der staatlichen Einheit als Folge des 2.Welt-krieges - in dem Schwalbach durch viele hundert Spreng- und Brandbomben schwer beschädigt wurde - ergab die erste Volkszählung im Jahre 1946 in Schwalbach 2.208 Einwohner, die in 600 Wohnungen lebten. Mit der Zuwanderung von Heimatvertriebenen war die Bevölkerung weiter gewachsen und zählte 1954 bereits 2.959 Einwohner. Zunächst war es Aufgabe der Gemeinde, diese Heimatvertriebenen mit Wohnraum, wenn auch nur notdürftig, zu versorgen. Mit der Hilfe der Nassauischen Siedlungsgesellschaft als staatlichem Träger der landwirtschaftlichen Siedlungspolitik im Lande Hessen, die auch Eigentümerin der ehemaligen Domänengrundstücke war, wurden bereits bis 1954 Nebenerwerbssiedlungen für ehemalige Bauern und Landbesitzer aus den Ostgebieten in der Karlsbader, Breslauer und Hofheimer Straße errichtet. Diese Siedlungen, die seinerzeit Vorbild für den landwirtschaftlichen Siedlungsbau waren, sind auch aus heutiger Sicht in den Grundstücksgrenzen großzügig bemessen. Den Vertriebenen, die in der Heimat Bauernhöfe oder andere landwirtschaftliche Anwesen bewirtschafteten, wollte die hessische Landesregierung als Hilfe zur Eingliederung in die neuen Heimat, die Möglichkeit zu einer Nebenerwerbslandwirtschaft geben. Deshalb war die Größe der Grundstücke auf mindestens 1.200 qm festgelegt. Diesem Umstand verdanken wir es heute, dass dieses Wohngebiet so großzügig und mit viel Grün aufgelockert ist. Auch wenn aus den vorgesehenen Ställen für die Kleintierhaltung heute Garagen zur Nutzung bereitstehen und Erweiterungsbauten an Wohngebäuden vorgenommen wurden, sind die Erweiterungsmaßnahmen vertretbar.

1945/46 gab es noch keine zentralen Stellen, die die Flüchtlingsströme lenkten. Es war aber zu beobachten, dass die einzelnen Landsmannschaften überwiegend zusammenblieben und in einzelnen Bundesländern Zuflucht suchten. Nach Schwalbach kamen insbesondere Flüchtlinge aus dem Sudetenland und Schlesien, nur wenige aus Pommern und Ostpreußen. Die Nachfrage nach Bauland wurde immer größer. Die Menschen, die in Frankfurt und dort besonders in den westlichen Stadtteilen Arbeitsplätze, aber nur unzureichenden Wohnraum gefunden hatten, drängten nach Schwalbach und in weitere Orte im Vortaunus. Alle Gemeinden mussten dem Druck und den Forderungen der Menschen nach Bauland nachgeben. In den Jahren von 1954 bis 1960 entstanden mehrere Baugebiete, wie das Steinfeld, die Siedlung der Hoechst AG und der Fa. Günther, Frankfurt-Rödelheim. Zur gleichen Zeit wurden viele einzelne Bauten in dem Bereich Höhenstraße und dem Niederdorf ausgeführt.

Bis zum Inkrafttreten des Bundesbaugesetzes im Jahre 1960 wurden die Bauplätze großzügig bemessen, weil die Preise für Bauland öffentlich reglementiert waren. Danach gab es eine Kostenexplosion. Daher wurden die Grundstücke kleiner bemessen. 1958 zählte Schwalbach bereits 4.014 Einwohner. Wenn man einen Blick auf die Luftaufnahmen von Schwalbach wirft, ist unschwer zu erkennen, dass sich die bebaute Fläche Schwalbachs von 1949 bis 1960 mehr als verdoppelte. Gemeindevertretung und Gemeindevorstand wollten diese unkoordinierte Bebauung in geordnete Bahnen leiten. Es war abzusehen, das der Zuzug aus Frankfurt in das Umland noch lange kein Ende nehmen würde. Mit der Ausschreibung eines städtebaulichen Wettbewerbs im Jahre 1959 wurde eine Gesamtplanung für Schwalbach für die nächsten 20-30 Jahre vorgelegt, beraten und beschlossen, die danach zur Ausführung gelangte. Am 17. Mai 1962 vollzog der Hessische Ministerpräsident den ersten Spatenstich für den Bau der Wohnstadt Limes.

Der Bau der Limesstadt für Wohnungssuchende in der weiteren Umgebung von Schwalbach war Anstoß zu einer raschen Entwicklung der ganzen Gemeinde: Durch den in der Limesstadt angelegten großen Marktplatz mit Einkaufszentrum (ab 1967), die neugeschaffene, verkehrstechnisch günstige Anbindung an Frankfurt durch den S-Bahnhof „Limes" (ab 1970), die neugebauten Schulen, Kindergärten und Kirchen, das repräsentative Rathaus und Bürgerhaus (ab 1973), die neuentstandenen, vielseitigen Sportanlagen erhielt ganz Schwalbach mehr und mehr ein städtisches Gepräge. Eine bedeutungsvolle Station auf diesem Weg war die Verleihung des Rechtes zum Führen des Namens „Stadt": Bei einem Festakt am 9. Mai 1970 überreichte der Hessische Innenminister dem Schwalbacher Bürgermeister die hier abgebildete Urkunde. Die Einwohnerzahl war zu diesem Zeitpunkt bereits auf das heutige Niveau von ca. 14-15.000 angestiegen.

 

 

Die Wohnstadt Limes

Sigbert Vogt

I n den 50er Jahren herrschte Wohnungsmangel. Der Strom der Flüchtlinge I aus dem Osten drängte in den Ballungsraum Rhein-Main, in dem es Arbeitsplätze durch den konjunkturellen Aufschwung gab. Neue Wohnsiedlungen entstanden rings um die Stadt Frankfurt. Dabei waren die Gebiete im Taunus besonders begehrt.

So entstand auch in Schwalbach der Plan, eine Wohnstadt zu bauen. Der Bürgermeister von Schwalbach, die Nassauische Heimstätte und das Land Hessen wollten ein Musterbeispiel moderner Wohnungspolitik in bauliche Form umsetzen. Es sollte eine sowohl städtebaulich und soziologisch einwandfreie als auch eine für den sozialen Wohnungsbau tragbare Lösung gefunden werden. Darüberhinaus waren die notwendigen infrastrukturellen Einrichtungen zu planen.

Konzeption und Planung

Ende 1959 wurde der bundesweit ausgeschriebene Wettbewerb entschieden. Professor Reichow, ein namhafter Städtebauer, erhielt den ersten Preis. Seinem Entwurf lagen die Ideen einer gegliederten und aufgelockerten Stadt zugrunde. Dem Neubaugebiet sollte eine kreuzungsfreie Verkehrserschließung zugrunde gelegt werden, in dem Autos und Fußwege getrennt verlaufen. Die einzelnen Hausgruppen waren raumbildend in durchgrünten Einheiten zusammengefasst und von einem Ring über Stichstrassen zu erreichen. Reichow skizzierte in der Deutschen Bauzeitung 1969 seine Idee einer stadtlandschaftlichen Gestaltung: „Gegenüber der historischen Stadt des 19. Jahrhunderts wird hier in Schwalbach die Natur in der Stadtlandschaft ein gleichwertiges Gestaltungselement neben dem baulichen".

Neben diesem Grünkonzept war für Reichow auch das Konzept der sozialen Mischung wichtig, das nahezu allen Trabantenstädten und Quartiersplanungen der Nachkriegszeit zugrunde lag. Reichow sah in seiner Stadtbaukonzeption eine Alternative zu den einseitig nach sozialen Klassen gegliederten Wohngebieten der Großstädte. Anstelle ausgesprochener Arbeiterquartiere, reicher Villenviertel oder Beamsamten Bevölkerungsquerschnitts in jeder Siedlungseinheit eine soziologisch gesunde Gemeinschaft wenigstens städtebaulich ermöglicht.

 

Wohnen wie im Park

Die von Reichow geschilderten Qualitäten werden von den Limesstädtern sehr geschätzt. Die Bebauung hat eine maßvolle Dichte, sie ist in Grün eingebettet, aus dem nur noch die höheren Häuser ragen. Bemerkenswert ist der Siedlungsrand, der von zwei reizvollen Bachtälern begleitet wird. Das dadurch gebildete, trennende Grünband schützt die Stadt vor den Ausfallstrassen zum Taunus optisch und akustisch gleichermaßen. Hier befinden sich die Freizeiteinrichtungen: Sportplätze, Schwimmbad, Europapark und Kleingartenanlage für die Bewohner der Geschosswohnungen.

Kennzeichnend für die Limesstadt ist besonders der Grünzug mitten durch die Stadt. Er verläuft auf dem Kamm des Gefällebruchs und verbindet den im Norden der Stadt vorhandenen Wald mit dem Einkaufszentrum im Süden. Über ein in die einzelnen Wohngebiete hineinführendes Fußgängersystem kann man gefahrlos und unbelästigt von Lärm und Abgasen der Autos zu allen wesentlichen Gemeinschaftsanlagen und Einrichtungen gelangen. Die geschilderten Grünzüge binden die Limesstadt harmonisch in die Taunuslandschaft ein und sind ein Qualitätsmerkmal, das es zu schützen und zu pflegen gilt. Insgesamt hat sich die Wohnstadt Limes in den 50er Jahren als „Modell einer organischen Stadtlandschaft" bewährt und ist inzwischen beliebter Wohnort geworden. Die meisten Mehrfamilienhäuser sind inzwischen instandgesetzt worden. Ihre Qualität entspricht wieder der von Neubauten mit guten Grundrissen. Durch die hochgewachsenen Bäume stehen sie inzwischen wie in einem Park.

Wie alle Siedlungen der Nachkriegszeit, in der Fachwelt lange Zeit kontrovers diskutiert, präsentiert sich Schwalbachs größter Stadtteil als eine geschlossene Wohnsiedlung mit guten Gemeinschafts- und Versorgungseinrichtungen in aufgelockerter Bauweise, in der Maßstäblichkeit, Überschaubarkeit und das Grün eine zentrale Rolle spielen. Dazu kommen die guten Straßenverbindungen zu den Autobahnen und der Anschluss an das S-Bahnnetz in dem jüngst umgebauten und ansprechend gestalteten Bahnhof.